Nachhaltiges Bauen im globalen Kontext
Welche Prognosen gibt es für den weltweiten Bausektor?
Der weltweite Gebäudebestand (Zahl der Gebäude und ihrer Größe) wird sich bis 2060 verdoppeln - so schätzt die International Energy Agency (IEA). Diese Entwicklung steht in Beziehung zum Wachstum der Weltbevölkerung (von derzeit 8 auf 10 Milliarden) und wird sich vor allem in wachsenden Großstädten vollziehen. Bessere Infrastruktur und wirtschaftliche Chancen wird Menschen auch in Zukunft in Städte ziehen, die aber derzeit noch besonders CO2-intensiv sind. 2018 lebten 55 % der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten, ein Anteil, der laut UN bis 2050 auf 68 % ansteigen dürfte.
Die Non-Profit-Organisation Architecture 2030 beschreibt es so:
„Um die größte Wachstumswelle in der Geschichte der Menschheit zu bewältigen, werden zwischen 2020 und 2060 voraussichtlich rund 240 Mrd. m2 neue Nutzfläche zum weltweiten Gebäudebestand hinzukommen, was der Größe einer ganzen Stadt wie New York City entspricht, und das 40 Jahre lang jeden Monat.“
Das bedeutet den Bau von 480 neuen Großstädten bis 2060.
(Architecture2030, eigene Übersetzung)
Wo wurde und wo wird am meisten gebaut?
In den wohlhabenden Ländern des Globalen Nordens ist bereits sehr viel gebaut worden. Künftig werden besonders in Ländern wie China, Indien und in Subsahara-Ländern wie Nigeria Städte wachsen und neue hinzukommen.
Das Hilfswerk Misereor erklärt:
„Die Weltbevölkerung wächst. Damit benötigen immer mehr Menschen Wohnraum und Infrastruktur für ein gutes Leben. Neue Siedlungen und rasant wachsende Städte lassen diesen Bedarf weiter stark ansteigen. Laut Prognosen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2050 etwa sechs Milliarden Menschen in Städten leben. Aktuell sind es etwa 3,5 Milliarden. Die informellen Siedlungen, die heute etwas weniger als eine Milliarde Menschen beherbergen, könnten dann ein bis zwei Milliarden zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner umfassen. Der größte Zuwachs wird für die Städte Asiens und Afrikas erwartet.“
(MISEREOR e.V. 2019)
Welche Verantwortung haben Länder des Globalen Nordens?
Der Klimawandel geht vor allem auf wohlhabende, industrialisierte Ländern des Globalen Nordens zurück. Der durchschnittliche CO2e Fußabdruck pro Kopf liegt in Deutschland bei 10,8 Tonnen - in Nigeria bei 0,57 Tonnen, in der Demokratischen Republik Kongo sogar nur bei 0,04 Tonnen. Je ärmer ein Land, desto geringer der Ausstoß an Treibhausgasen.
Wie kann klimagerechtes Bauen und Nutzen von Gebäuden gelingen?
Wenn auch die meisten Neubauten in Ländern des Globalen Südens erwartet werden, so wird auch in Deutschland noch viel zu oft nicht nachhaltig gebaut. Doch jedes Gebäude zählt. Vor allem öffentliche Bauträger sollten mit gutem Beispiel vorangehen und die drei Säulen der Nachhaltigkeit - soziale, ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit - bei Bauprojekten möglichst gut in Einklang bringen. Hinzu kommt: Im Jahr 2040 werden etwa 2/3 des weltweiten Gebäudebestands aus heute bestehenden Gebäuden bestehen (Architecture2030).
Architects 2030 betonen:
„Ohne eine umfassende Dekarbonisierung des Gebäudebestands auf der ganzen Welt werden diese Gebäude auch im Jahr 2040 noch CO2-Emissionen ausstoßen und wir werden das 1,5°C-Ziel des Pariser Abkommens nicht erreichen.“
(Architecture2030, eigene Übersetzung)
Auch hier sollten Länder des Globalen Nordens Verantwortung übernehmen und durch konsequentes Bemühen um klimaneutrale Gebäudenutzung vorangehen. Zugleich müssen Forschung und Wirtschaft so schnell wie möglich, Lösungen auf den Markt bringen, die auch in ärmeren Ländern bezahlbar sind.
Wo gibt es noch mehr Informationen über Nachhaltiges Bauen und Nutzen von Gebäuden?
Siehe auch unsere Informationen zu: Zement – Stahl - Beton - Sand - Lehm – Holz – sowie Nachhaltiges Bauen im globalen Kontext.
Tipps zum Weiterlesen: www.dgnb.de - globalabc.org - umwelt-im-unterricht.de
Wer ist We-Building e.V.?
We-Building ist ein Zusammenschluss aus internationalen Architekt:innen und Engagierten aus anderen Fachgebieten. Der gemeinnützige Verein unterstützt entwicklungspolitisch aktive Organisationen beim Bau von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden in Afrika und Lateinamerika. We-Building leistet außerdem Bildungsarbeit rund um Nachhaltiges Bauen im globalen Kontext.
We-Building e.V. schließt sich den Forderungen nach einer Bauwende an, wie sie z.B. von Architects 4 future, Bauhaus Erde oder der Holcim Foundation vertreten werden.
Alle Daten wurden sorgfältig recherchiert. Beim Sichten vieler unterschiedlicher Quellen (IPCC, Global Status Report UN, Misereor, WWF; Umweltbundesamt, Statistisches Bundesamt u.a.) haben wir uns um Kongruenz bemüht und uns v. a. auf Zahlen aus dem Jahr 2021 bezogen. We-Building kann aber keine Gewähr für die Exaktheit von einzelnen Prozentangaben übernehmen. Es geht uns in erster Linie darum, die Dimensionen deutlich zu machen.
Stand: Juni 2023 – Nur für Ihre persönliche Nutzung. Bitte geben Sie dieses Infoblatt nicht ohne Rücksprache mit We-Building e.V. weiter. info@we-building.org - www.we-building.org